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St. Georgenberg - Fiecht

Wunderbare Begebenheit mit dem Kostbaren Blut in der Benediktinerabtei St. Georgenberg- Fiecht/Tirol

Ă–sterreich 1310

Zu den schönsten und interessantesten Gnadenstätten Österreichs gehört der Wallfahrtsort St. Georgenberg- Fiecht ob der Bahnstation Schwaz. Er verdankt sein Entstehen dem sel. Rathold von Aibling, einem bayrischen Adelssohne, der im Hochwald über dem Inntale eine Einsiedelei für sich und seine Gefährten, sowie eine Kapelle zu Ehren Mariens errichtete. Schon vor dem Jahre 1000 zogen Pilgerscharen hinauf zu diesem Gnadenbild der schmerzhaften Mutter mit ihrem toten Sohne auf dem Schosse. Mit der Zeit erweiterte sich diese schlichte Gründung zu einer Benediktiner-Abtei.

Besonderen Aufschwung erlebte die Wallfahrt nach Sankt Georgenberg dank eines eucharistischen Blutwunders, das während der Darbringung des hl. Messopfers in der dortigen Klosterkirche geschah. Eine alte, hölzerne Urkund-Tafel, die beim rechten Seitenaltare angebracht ist, berichtet wörtlich:

„Im Jahre der gnadenreichen Geburt Jesu Christi 1310 unter dem Abte Rupert, dem ersten dieses Namens, las ein gottesfürchtiger Priester, ob Welt- oder Ordenspriester ist unbekannt, in dieser dem hl. Märtyrer Georg und dem hl. Apostel Jakobus geweihten Kirche die hl. Messe. Im Augenblicke, als er das hl. Blut geniessen wollte, kam ihm der Zweifel, ob wohl unter der Gestalt des Weines wirklich und wahrhaftig das Blut Christi enthalten sei. Und sieh! Da wurde die weisse Gestalt des Weines sogleich blutrot. Und das heilige Blut selbst fing an im Kelche aufzuwallen. Starr und blass vor Schrecken stand der Priester am Altare. Der Abt und seine Konventualen, welche eben im Chore waren, nebst vielen anwesenden Wallfahrern eilten herbei und überzeugten sich von dem, was geschehen war.

Der erschrockene Priester war nicht mehr imstande, das hl. Blut ganz zu geniessen, und der Abt hinterlegte den übrigen Teil alsbald in einem Gefässe samt dem Tuche, womit der Kelch ausgetrocknet worden, im Tabernakel des Hochaltares. Kaum hatte sich die Kunde von diesem wunderbaren Ereignis verbreitet, fingen die frommen Gläubigen an, vor dem heiligen Blute ihre Andacht zu verrichten. Diese nahm mit den Jahren immer mehr zu, weil der Herr sich würdigte, den frommen Verehrern des hl. Blutes in verschiedenen Anliegen ausserordentliche Gnaden zu verleihen.

Nun fand sich Bischof Georg von Brixen veranlasst, im Jahre 1472 den hochwürdigen Abt von Wilten, Johannes Lösch, und die Herren Pfarrer Sigmund Thaur und Kaspar von Absam nach St. Georgenberg zu senden, um die Sache näher zu untersuchen. Es wurden mehrere alte Ordenspriester unter einem Eide vernommen, sowohl über die wunderbare Begebenheit mit dem heiligen Blute, wie sie ihnen von ihren Vorfahren war erzählt worden, als auch über die ausserordentlichen Gnadenbezeugungen Gottes, wovon sie nicht selten Augenzeugen waren. Infolge dieser Untersuchung wurde die öffentliche Verehrung des hl. Blutes gutgeheissen und empfohlen. Nun liess Abt Kaspar II. einen schönen Tabernakel von weissem Marmor aus Genua bringen, in welchen er dann das heilige Blut mittels eines Glas-Zylinders in einer kleinen Monstranz andächtig aufbewahrte. Von dieser Zeit an nahm die Andacht zum heiligen Blute immer mehr zu. Unter den vielen frommen Christen fanden sich zu dessen Verehrung nicht selten hohe Kirchenfürsten ein, wie Johannes, Bischof von Triest, Georg, Bischof von Brixen, Rupert, Herzog von Bayern und Erzbischof von Köln, Friedrich, Bischof von Chiemsee u. a. m. Die beiden Erstgenannten verliehen allen denjenigen, welche vor dem hl. Blute um Ausrottung der Irrlehre drei Vaterunser und Ave beten, einen Ablass von vierzig Tagen."

Eine zweite Urkund-Tafel auf der Evangelienseite berichtet, wie die hl. Blut-Reliquie zur Zeit der Kirchenspaltung den wahren Glauben erhalten half.

„Als um das Jahr 1593 die Lehre Luthers im Tirol, nament­lich im Inntale, sich allenthalben verbreitete und den wahren Glauben zu verdrängen drohte, wurden die Mönche von St. Georgenberg gebeten, allüberall Glaubenspredigten zu halten. Sie taten es mit gutem Erfolg. Abt Michael Geisser hielt in der Pfarrkirche von Schwaz vor einer grossen Volksmenge erfolgreiche Predigten, in denen er sich nicht scheute, das St. Georgenberger heilige Blutwunder als Beweis für die Gegenwart Jesu Christi im heiligsten Altarssakrament anzuführen. Er nahm sogar die Monstranz mit dem hl. Blute auf die Kanzel und zeigte sie seinen Zuhörern. Er widerlegte die anwesenden neugläubigen Prediger so trefflich, dass diese sich genötigt sahen, die Gegend zu verlassen, weil die von ihnen betrogenen Anhänger wieder zum alten, wahren Glauben zurückkehrten. Diesen vollständigen Sieg über die Irrlehre betrachteten die frommen Gläubigen dankbar als eine besondere Gnade, die der Herr seinen andächtigen Verehrern des Kostbaren Blutes zuteil werden liess."

Im Jahre 1480, also nach 170 Jahren, war das hl. Blut noch „so frisch, als ob es heut aus einer Wunden vergossen wär", so schreibt der Chronist.

(Quelle: Wunderbare Begebenheit mit dem Kostbaren Blute in der Benediktinerabtei St. Georgenberg/Tirol, Ă–sterr. Selbstverlag.)